Schulkultur

Gerald Hüther,
Prof. für Neurobiologie (Textauszug)

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Interview Bayerischer Rundfunk: „Wissen kann man nicht beibringen"
Link: 
http://www.br.de/nachrichten/gerald-huether-kinder-100.html

Auf dem Weg zu einer anderen Schulkultur:

Die Bedeutung von Geist und Haltung aus neurobiologischer Sicht

Weder gelingt es, die Haltung eines Menschen durch kognitive Strategien zu verändern (überreden, belehren, unterrichten etc.). Noch sind emotionale Strategien (Bestrafung, Belohnung, Umarmung, Zuwendung) geeignet, einmal erworbene Haltungen eines Menschen zu verändern.

Weg Lupinen

Angesichts dieser Situation wird das Dilemma begreiflich, vor dem jeder Schulveränderer steht:
Das, was zu verändern wäre, sind die Haltungen
(der Schulleiter, der Lehrer, der Schüler, auch der Eltern). Aber genau die lassen sich durch all die Verfahren, die seit Generationen bisher eingesetzt worden sind, um zu erreichen, dass Menschen sich so verhalten, wie das aus was für Gründen auch immer als wünschenswert erschien, nicht verändern.
Durch gutes Zureden nicht, durch kluge Ratschläge nicht, nicht durch Bestrafung oder Belohnung, noch nicht einmal durch liebevolle Zuwendung und emotionale Umarmungen.

All das, was bisher immer wieder versucht worden ist, um Menschen zu verändern, funktioniert also nicht, wenn es darum geht, einen Menschen zu einer Änderung seiner Haltung, seiner inneren Überzeugung, seiner Gesinnung zu bewegen.

Das Einzige, was geeignet wäre, Haltungen zu verändern, ist genau das, was wir in unserer vom Machbarkeitswahn und von Effizienzdenken geprägten Welt am wenigsten beherrschen: andere Menschen einzuladen, zu inspirieren, sie zu ermutigen, noch einmal eine neue Erfahrung zu machen. ...
Pflichterfüller sind dazu einfach nicht in der Lage. Sie haben eine dafür nicht geeignete Haltung.

Ein  Potenzialentfaltungsgeist kann freilich nur dann in einer menschlichen Gemeinschaft entstehen, wenn das Zusammenleben und das gemeinsame Lernen nicht mehr von Angst, Leistungsdruck und Wettbewerb bestimmt werden.